Das Wichtigste in Kürze
Wenn du einen Tennisarm (medizinisch: Epicondylitis humeri radialis) behandeln möchtest, sind gezielte Maßnahmen und vor allem etwas Geduld gefragt. Die schmerzhafte Reizung am Sehnenansatz an der Außenseite des Ellenbogens entsteht oft gar nicht durch den namengebenden Sport, sondern durch einseitige Überbelastungen im Alltag – etwa bei intensiver Computerarbeit oder handwerklichen Tätigkeiten. Um die typischen Schmerzen im Ellenbogen beim Zupacken oder Heben von Gegenständen effektiv zu lindern, hat sich eine ganzheitliche Therapie aus regelmäßigen Dehnübungen, sanftem Kraftaufbau der Unterarmmuskulatur und unterstützendem Kinesiotaping bewährt. Richtig angelegt, entlastet das Tape den gereizten Bereich dynamisch, fördert die Durchblutung und unterstützt deinen Körper optimal bei der Eigenbehandlung. Beachte jedoch: Bei langanhaltenden Beschwerden oder starken Bewegungseinschränkungen ersetzt das Taping keine genaue Diagnose durch eine Ärztin oder einen Arzt.
Was genau ist eigentlich ein Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis)?
Der Begriff „Tennisarm“ oder „Tennisellenbogen“ klingt im ersten Moment nach einer reinen Sportverletzung. Doch die Realität in den Praxen von Ärzten und Physiotherapeuten sieht anders aus. Wenn du unter diesen Beschwerden leidest, befindest du dich in bester Gesellschaft von Handwerkern, Büroangestellten und Kraftsportlern. Medizinisch wird dieses Phänomen als Epicondylitis humeri radialis bezeichnet. Dahinter verbirgt sich eine schmerzhafte Reizung oder sogar eine Entzündung am Sehnenansatz der Streckmuskulatur des Unterarms. Diese Sehnen setzen genau an dem kleinen, knöchernen Vorsprung an der Außenseite des Ellenbogens an. Wenn diese Region gereizt ist, strahlt der Schmerz oft über den gesamten Unterarm bis in die Hand aus und schränkt dich im Alltag massiv ein.
Ursachen und Auslöser: Warum nicht nur Tennisspieler betroffen sind
Die Hauptursache für den Tennisellenbogen ist nahezu immer eine Überlastung. Es handelt sich um winzige Mikroverletzungen (Mikrotraumata) im Gewebe, die durch ständige, monotone Bewegungen entstehen. Wenn du stundenlang die Maus am Computer bedienst, beim Schrauben oder Malern das Handgelenk immer wieder in die gleiche Richtung abknickst, steht die Muskulatur an der Außenseite des Unterarms unter permanenter Dauerspannung. Dieser enorme Zug überträgt sich direkt auf den Sehnenansatz am Ellenbogengelenk.
Natürlich kann auch der klassische Tennisspieler betroffen sein, oft durch eine unsaubere Technik bei der Rückhand oder einen zu harten Schlägergriff. Letztendlich ist es aber die Summe der repetitiven Tätigkeiten und einseitigen Belastungen, die das Fass zum Überlaufen bringt und die Schmerzen auslöst.
Typische Symptome: Wenn Zupacken und Heben zur Qual werden
Einen Tennisarm erkennst du meist recht schnell an sehr spezifischen Anzeichen. Die Schmerzen konzentrieren sich primär auf die Außenseite des Ellenbogens und treten vor allem bei Druck auf den Sehnenursprung auf. Richtig unangenehm wird es jedoch erst in der Bewegung:
- Schmerzen beim Zupacken: Ein einfacher Händedruck, das Auswringen eines Lappens oder das Aufdrehen einer Wasserflasche werden plötzlich zur extremen Herausforderung.
- Kraftverlust: Du hast das Gefühl, dass deine Hand und dein Arm an Kraft verlieren. Gegenstände, die du sonst mühelos hebst, fühlen sich auf einmal schwer an oder rutschen dir fast aus der Hand.
- Ausstrahlender Schmerz: Bei Belastung zieht der Schmerz oft von der Außenseite des Ellenbogens über die Unterarmmuskulatur bis hinunter in das Handgelenk.
- Anlaufschmerz: Besonders morgens nach dem Aufstehen fühlt sich der betroffene Arm oft steif an und die Ellenbogenschmerzen sind besonders präsent, bevor die Muskulatur warm wird.
Verwechslungsgefahr: Tennisarm oder Golferarm?
Der Tennisarm
Wo? An der Außenseite des Ellenbogens. Ursache: Überlastung der Streckmuskulatur des Unterarms (z. B. beim Anheben der Hand oder Zupacken).
Der Golferarm
Wo? An der Innenseite des Ellenbogens. Ursache: Überlastung der Beugemuskulatur des Unterarms (z. B. beim Heranziehen oder bei schwerem Krafttraining).
Diagnose und der erste Schritt zur Besserung
Bevor du aktiv mit verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten startest, ist es wichtig zu wissen, wo du stehst. Eine erfolgreiche Therapie beginnt immer mit dem Erkennen der genauen Ursache. Viele Menschen versuchen lange Zeit, die Schmerzen im Ellenbogen zu ignorieren, in der Hoffnung, dass sie von alleine wieder verschwinden. In der Regel führt dieses Abwarten aber nur dazu, dass sich die Reizung am Sehnenansatz chronifiziert. Der erste Schritt zur Besserung deines Tennisarms besteht also darin, die Signale deines Körpers ernst zu nehmen und die akute Überlastung sofort zu stoppen.
Wann der Besuch bei der Ärztin oder dem Arzt wichtig ist
Die Eigenbehandlung und Selbsthilfe sind beim Tennisellenbogen extrem wertvolle Werkzeuge, aber sie haben ihre Grenzen. Wenn die Ellenbogenschmerzen extrem stark sind, du massive Bewegungseinschränkungen spürst oder der Bereich rund um das Ellenbogengelenk stark geschwollen, gerötet und heiß ist (deutliche Anzeichen für eine akute Entzündung), solltest du eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.
Eine professionelle medizinische Diagnose ist vor allem dann wichtig, wenn der Schmerz nicht nur auf den Unterarm beschränkt bleibt, sondern beispielsweise bis hoch in die Schulter ausstrahlt. So können andere Erkrankungen, wie etwa Gelenkverschleiß oder Nervenengpässe, sicher ausgeschlossen werden. Steht die Diagnose Epicondylitis humeri radialis fest, kannst du beruhigt mit der aktiven Behandlung starten.
Erste Hilfe im Alltag: Reizung minimieren und Überlastung stoppen
Sobald du weißt, dass du es mit einem Tennisarm zu tun hast, lautet die oberste Regel: Nimm den Fuß vom Gas! Du musst die auslösenden Tätigkeiten und Überbelastungen identifizieren und konsequent pausieren. Wenn die stundenlange Computerarbeit die Ursache ist, versuche, deine Handhabung der Maus zu ändern (z. B. durch den Einsatz einer vertikalen Maus). Ist es das intensive Tennisspielen oder das ständige Schrauben in der Werkstatt? Dann ist hier vorübergehend eine strikte Pause angesagt.
Es geht nicht darum, den betroffenen Arm komplett ruhigzustellen – das würde die Unterarmmuskulatur nur schwächen und verhärten. Es geht darum, genau jene spezifischen Bewegungen zu vermeiden, die den stechenden Schmerz an der Außenseite auslösen. Eine der effektivsten Maßnahmen in dieser akuten Phase ist der Einsatz von Kinesiotape. Es hilft dir, den gereizten Bereich dynamisch zu entlasten, ohne dich starr einzuschränken.
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Entlaste deinen Unterarm effektiv und unterstütze den Heilungsprozess mit der richtigen Taping-Technik.
- Bei Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens
- Unterstützt das Gelenk bei Belastung
Tennisarm behandeln: Die besten Methoden zur Eigenbehandlung
Sobald du die akute Reizung durch eine gezielte Pause und Erste-Hilfe-Maßnahmen beruhigt hast, beginnt die eigentliche Therapie. Einen Tennisarm behandeln bedeutet vor allem, aktiv zu werden. Passive Behandlungsmöglichkeiten wie Salben oder Kältepads können kurzfristig helfen, packen das Problem aber nicht an der Wurzel. Um die Schmerzen im Ellenbogen dauerhaft loszuwerden, musst du die Struktur deiner Muskeln und Sehnen im Unterarm verändern. Das Zauberwort hierfür lautet: Gewebeumbau. Durch eine Kombination aus Entlastung, Dehnung und gezieltem Kraftaufbau signalisierst du deinem Körper, das geschädigte Gewebe zu reparieren. Wichtig dabei ist, dass du bei der Eigenbehandlung stets auf deinen Körper hörst und viel Geduld mitbringst – Sehnen heilen deutlich langsamer als die Muskulatur.
Kinesiotaping: Dynamische Entlastung für Sehnenansatz und Muskulatur
Wie bereits im vorherigen Abschnitt und unserer Anleitung erwähnt, ist Kinesiotape ein hervorragendes Werkzeug für die ersten Wochen der Therapie. Durch die spezielle Anlagetechnik wird die Haut über der Streckmuskulatur des Unterarms leicht angehoben. Das reduziert den Zug auf den extrem empfindlichen Sehnenansatz an der Außenseite des Ellenbogens massiv. Gleichzeitig fördert das Tape die lokale Durchblutung, was den Abtransport von Entzündungsstoffen beschleunigt. Der große Vorteil gegenüber einer starren Bandage: Du behältst deine volle Beweglichkeit und kannst das Tape sogar während deiner Dehnübungen tragen, um eine optimale muskuläre Ansteuerung zu gewährleisten.
Dehnübungen: Spannung aus dem Unterarm nehmen
Die Muskulatur an der Außenseite deines Unterarms steht bei einem Tennisellenbogen permanent unter Hochspannung. Diese Spannung zieht pausenlos an der gereizten Sehne. Mit regelmäßigen Dehnübungen kannst du diesen Teufelskreis durchbrechen. Die wichtigste Dehnübung ist simpel, aber extrem effektiv: Strecke deinen betroffenen Arm auf Schulterhöhe gerade nach vorne aus. Drehe den Arm so, dass der Handrücken nach oben zeigt. Nun beugst du das Handgelenk so weit nach unten, bis die Finger Richtung Boden zeigen. Mit der anderen Hand greifst du nun den Handrücken und ziehst die Hand sanft weiter in Richtung Körper, bis du eine deutliche Dehnung an der Oberseite des Unterarms spürst. Halte diese Position für etwa 30 bis 45 Sekunden und wiederhole das Ganze mehrmals täglich.
Kräftigungsübungen: Langfristig Kraft für Hand und Arm aufbauen
Nur Dehnen reicht auf lange Sicht nicht aus. Um erneuten Überbelastungen vorzubeugen, müssen die Muskeln widerstandsfähiger werden. Sobald die Dehnübungen schmerzfrei funktionieren, solltest du sanfte Kräftigungsübungen in deine Routine integrieren. Besonders das sogenannte „exzentrische Training“ hat sich in Studien als effektivste Form der Behandlung erwiesen. Dabei wird der Muskel unter Belastung in die Länge gezogen. Das Beste daran: Du brauchst für den Start kein teures Gerät, sondern kannst direkt zu Hause mit einfachen Alltagsgegenständen beginnen.
3 effektive Übungen für zuhause (ohne spezielles Gerät)
Der Wasserflaschen-Lift (Exzentrisch)
Lege deinen Unterarm so auf einen Tisch, dass die Hand über die Kante hängt (Handrücken zeigt nach oben). Nimm eine kleine, leichte Wasserflasche in die Hand. Hebe die Hand nun mit Hilfe deiner anderen (gesunden) Hand nach oben. Lass die Flasche dann ganz langsam und kontrolliert (nur mit der Kraft des betroffenen Arms) nach unten ab. 3 Durchgänge à 15 Wiederholungen.
Handtuch-Wringen
Greife ein normal gerolltes Handtuch mit beiden Händen vor dem Körper. Wringe das Handtuch nun kräftig aus, indem du eine Hand nach vorne und die andere nach hinten drehst. Halte die maximale Spannung für ein paar Sekunden. Wechsle dann die Richtung. Dies stärkt die Griffkraft und die gesamte Unterarmmuskulatur.
Gummiband-Spreizen
Lege dir ein einfaches Haushaltsgummi oder ein leichtes Theraband um alle fünf Finger deiner betroffenen Hand. Spreize die Finger nun gegen den Widerstand des Gummis so weit wie möglich auseinander und führe sie langsam wieder zusammen. Das trainiert die oft vernachlässigte Streckmuskulatur der Hand.
Alltag und Sport: So vermeidest du erneute Beschwerden
Wenn du die akute Phase überstanden hast und die Schmerzen langsam nachlassen, liegt die größte Herausforderung darin, nicht wieder in alte Muster zurückzufallen. Die beste Behandlung nützt wenig, wenn du die eigentlichen Auslöser in deinem Alltag nicht dauerhaft anpasst. Um erneute Beschwerden und eine erneute Reizung am Sehnenursprung zu verhindern, musst du deine Gewohnheiten kritisch hinterfragen.
Ergonomie am Computer: Den Arbeitsplatz richtig einstellen
Wenn deine Beschwerden primär durch die Arbeit am Computer ausgelöst wurden, ist eine Anpassung deines Setups unverzichtbar. Die klassische Computerarbeit zwingt das Handgelenk oft über Stunden in eine unnatürlich überstreckte Position. Die Folge: Die Unterarmmuskulatur ist im Dauerstress.
Gestalte deinen Arbeitsplatz ergonomisch! Eine Handballenauflage vor der Tastatur und besonders der Wechsel zu einer vertikalen ergonomischen Maus können wahre Wunder bewirken. Sie bringen deinen Arm in eine neutrale Haltung, ähnlich wie bei einem entspannten Händedruck. Achte zudem darauf, dass dein Schreibtischstuhl so eingestellt ist, dass deine Unterarme locker im 90-Grad-Winkel auf der Tischplatte aufliegen.
Tipps für Sport und handwerkliche Tätigkeiten
Auch bei körperlichen Tätigkeiten musst du achtsam bleiben. Handwerker, die täglich schrauben, hämmern oder schwere Maschinen bedienen, sollten bewusste Pausen einlegen und die Muskulatur zwischendurch immer wieder kurz dehnen. Greife Werkzeuge nicht verkrampft, sondern so locker wie möglich.
Im Sport – allen voran im Racketsport – ist die Technik entscheidend. Lass deine Rückhand von einem Trainer analysieren. Ein zu dicker oder zu dünner Schlägergriff zwingt dich zu extremem Zupacken und überlastet die Sehnen. Eine sauber ausgeführte Schlagtechnik nimmt den Druck aus dem Ellenbogengelenk und verlagert die Kraftentwicklung in den gesamten Körper.
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Zum Kingtape ShopHäufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann der Schmerz auch an der Innenseite auftreten?
Tritt der Schmerz beim Beugen an der Innenseite auf, handelt es sich in der Regel um den sogenannten Golferarm. Beim Tennisarm liegt die Überlastung oder Entzündung ausschließlich an der äußeren Seite deines Arms, direkt am knöchernen Sehnenursprung nahe dem Ellenbogengelenk. Die Innenseite ist von dieser speziellen Art der Reizung nicht betroffen und deutet auf andere Überlastungen der Beugemuskulatur hin.
Was muss ich konkret an meinem Arbeitsplatz ändern?
Die klassische Arbeit am Computer ist bei vielen Personen der Hauptauslöser. Bei stundenlanger Computerarbeit wird das Handgelenk oft unbewusst stark abgeknickt. Gestalte deinen Arbeitsplatz sofort um: Eine ergonomische Vertikal-Maus, Handballenauflagen und eine entspannte Sitzhaltung verhindern eine erneute Reizung der Unterarmmuskulatur. Tiefergehende Informationen zur optimalen Ergonomie am Schreibtisch findest du oft direkt bei deinem Arbeitgeber oder deiner Krankenkasse.
Darf ich im Alltag noch schwere Gegenstände heben oder schrauben?
In der akuten Phase solltest du alltägliche Tätigkeiten, die massiven Druck auf den Arm ausüben – wie das Heben schwerer Gegenstände oder festes Schrauben –, unbedingt vermeiden. Auch als ambitionierter Sportler musst du diese extreme Reizung wie eine ernstzunehmende Verletzung behandeln. Gönne dem Arm Ruhe, nutze Tape zur Entlastung und fange erst langsam wieder mit sanften Dehn- und Kräftigungsübungen an, bevor du wieder voll zupackst.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, eine Fachkraft aufzusuchen?
Wenn die Schmerzen im Ellenbogen unerträglich werden, der Arm anschwillt oder du durch diese Form der aktiven Eigenbehandlung nach mehreren Wochen keine Besserung spürst, solltest du unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Eine professionelle Diagnose schließt strukturelle Schäden aus und gibt dir Sicherheit für dein weiteres Training.